Granulieren

granulieren_2Die Technik des Granulierens

Eine alte wertvolle Handwerkskunst der Etrusker

Das Granulieren sollte jeder Goldschmied versucht haben, um zu zeigen, dass er die schwierigste Art des Schweissens beherrscht, und in der Lage ist, nur mit kleinen Kugeln künstlerisch auf Gold und Silber Formen zu gestalten.“ (Spruch von Heinz Seeherr in Würdigung der weltweit bekanntesten Granulierer unseres Jahrhunderts, Reinhold Bothner und Johann Michael Wilm).

Für viele Goldschmiede ist das Granulieren eine Arbeit, die mit Mystik und Geheimnissen einhergeht, obgleich es eine Technik ist, die wie jede andere Technik erlernbar ist. Die von Johann Michael Wilms in den 20er Jahren erweckte Renaissance der alten Etruskischen Goldschmiedearbeiten verschwand aus Gründen des enormen Aufwandes und auch der alten Formen wieder in den Lehrbüchern. Und doch erwarben sich die Goldschmiede und Professoren Reinhold Bothner und Elisabeth Treskow ab den 50er Jahren hohe Verdienste um diese Goldschmiedetechnik. Ihre eigenen Kunstwerke waren schnell aufgekauft und wanderten in die Vitrinen der Kenner und der Museen. Inzwischen gibt es nur noch wenige Goldschmieden, die sich intensiv und kommerziell mit dem Granulieren beschäftigen, da der künstlerische Wert von der Kundschaft ohne fachliche Beratung nicht erkannt wird. Granulierter Anhänger mit Diamant aus der Goldschmiede Johannes Lais in Speyer Granuliertes Messer, gefunden in den Grabbeigaben des Tut-ench-amun.

granulieren_6Die ersten Granulationen der Weltgeschichte

…sollen nach Entdeckungen in den Resten der 2. Trojanischen Ansiedlung und in Grabbeigaben in Ägypten seit 2000 v. Chr. entstanden sein. Ihre höchste Blüte erfuhr die Granulation von 800-400 v. Chr. in Etrurien. Ausgeübt im ganzen Mittelmeer- Raum geht es nach 400 v. Chr. in Europa mit der Granulation bergab. Die Römer schmückten nur noch wenige Schmuckstücke mit Granulationskörnchen. Die Griechen pflegten noch einige Zeit die Technik weiter mit Draht, Kordeln und getriebenen Formen. Die letzten Ausläufer der Granulation finden sich in Reliquien, Heiligenschreinen, Evangeliaren und religiösen Kultgegenständen, wo Fleiss und Hingabe mit dem Werk gleichzeitig eine Huldigung des Zweckes der Gegenstände ausdrückte. Noch die Deutsche Kaiserkrone unter Karl I. zeigt Granalien in Verbindung mit gekörntem Draht und beschliesst für lange Zeit die Granulationskunst.

Was ist Granulieren?

Granulation ist eine die Oberfläche schmückende Verzierungstechnik von grossem Reiz und Möglichkeiten. Die Form ist das Ausschlaggebende und nicht die Technik. Eine Granulation ist nicht deshalb schön, weil sie sich aus Körnern zusammensetzt. Es werden Gold- oder Silberkörnchen ganz bestimmter Feinheit und Zusammensetzung auf eine Form gleicher Konsistenz aufgeschweisst, so dass die Körnchen auch miteinander verbunden sind.

granulieren_1

Wenn alle Löt- und Schweissmethoden versagen

…da beginnt die Kunst des Granulierens ! Das lange Zeit ungelöste Problem der Granulation war die haltbare Verbindung der feinen und feinsten Kügelchen auf dem Träger und untereinander. Man sah an den antiken Stücken, dass diese Verbindung unmöglich mit Lot unserer Quellen herbeigeführt worden sein konnte. Es musste also ein chemischer Vorgang deren Verbindung gefördert haben. Ein Flussmittel war hierbei nicht notwendig. Die Kügelchen wurden einfach mit Speichel auf den Grund aufgetragen, wo sie durch das im Speichel enthaltene Mozein vorläufig aufgeheftet wurden. Letztlich gibt es inzwischen einige Rezepte zum Ankleben der Kügelchen an der Basis. Danach gilt es lange Zeit mit gleichmässig verteilter Hitze die Kügelchen in einen fast weichen Aussenhautzustand zu bringen, damit sie sich miteinander verbinden können. Ungeübt werden dabei unzählige Kügelchen wieder zum Klumpen und die ganze Aufbringarbeit und deren Formgebung war umsonst. Geübt kann allerdings an der glänzenden Oberfläche der Kügelchen und des Grundes erkannt werden, wann sie sich einwandfrei zu einem Schmuckstück verbinden können.

granulieren_4

granulieren_5Wie die Kügelchen zum Kügelchen werden

…und nicht etwa zum Ei ? Es gibt Goldschmiede, die Drähte aus ganz bestimmten Legierungen Gold oder Silber in feinste Stückchen schneiden, damit diese dann bei Erhitzung sich zu Kügelchen zusammenziehen. Noch flüssig werden sie im Kugeltürmchen durch freien Fall schnelldrehend zum erkalteten Kügelchen und am Ende von einer Flüssigkeit aufgefangen. Eine mühsame Filterung aus bis zu 13 Filtertöpfchen (Sieben) beginnt, um nur Kügelchen der gleichen Grösse zu erhalten. Die ungleichen übrigen Kügelchen werden wieder eingeschmolzen. Die Goldschmiede beherrschen, dem Material ein bisschen Kupfer beizugeben, das dann an der Oberfläche zu Kohlenstoff entweicht aber mit Kupfersalz erheblich zum Schweissvorgang positiv beigetragen zu haben. Kugel- Granulation von Reinhold Bothner aus dem Jahr 1984 Die Arbeit mit den Kügelchen.

granulieren_3Granulieren, die wertvolle Handwerkskunst

…macht erst den Wert des unikaten Schmuckstückes aus. Oft tritt der reine Silber- oder Goldwert vor der künstlerischen Arbeit zurück.

Die feinsten Formen

…und ihre Verbindung untereinander werden erst in der Vergrösserung deutlich.