Gold

Gold

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles! Ach, wir armen!“

Dies lässt Goethe im „Faust“ das Gretchen sagen.

Wer weiss schon genau, wie die Anfänge der Goldschmiedekunst ihren Lauf nahmen? Am ehesten irgendwo zwischen Magie, Mystik und Spiel. Als das erste Goldflitterchen gefunden, das erste gediegene Stück Gold rein und gelb dalag. Als die Entdeckung dieses Metalles die Menschheit in ihren Bann nahm. Also vor ungefähr, sage und schreibe, 6000 Jahren. Da übernahmen die Sumerer, zusammen mit den alten Ägyptern, eine herausragende Rolle in der Geschichte des Goldes.

Die „güldne Sonne“ hat Konkurrenz bekommen

Ein Himmelskörper aus Gold rast durchs All. Auf der Erde steigt derweil – aus ganz anderen Gründen – der Preis des begehrten Metalls. Das wär ein Ding. 100000 Tonnen Gold und Platin, so vermuten Wissenschaftler der NASA, enthält der Asteroid Eros, der sich in fester Umlaufbahn bis auf rund 22 Millionen Kilometer der Erde nähert. (Das klingt weit weg, entspricht aber weniger als der Hälfte der Entfernung zum Mars.) 100000 Tonnen Gold. Eros, der Riesenbrocken, Durchmesser 36 Kilometer, weckt jede Menge Phantasien von Das Goldei, Traum eines jeden Goldsuchers … extraterrestrischem Bergbau.
Die Rede ist schon von überdimensionalen Solarzellen, die auf der Oberfläche des Meteoriten angebracht werden müssten, um dort das Herausschmelzen der Rohstoffe zu ermöglichen. Und von einer Flotte unbemannter Frachtraumschiffe, die – ständig zwischen Eros und Erde pendelnd – den Abtransport bewerkstelligten. Goldrausch im All? Traum oder Albtraum? Nehmen wir an, die NASA-Ingenieure würden das noch nicht Mögliche möglich machen. Was würde es bewirken, wenn der Menschheit plötzlich 100000 Tonnen Gold vor die Füße plumpsten? Also Gold in einer Menge, die etwa dem Hundertfachen der derzeitigen Weltjahresförderung entspräche? Das Mindeste wäre ein Wirtschaftscrash von wahrhaft galaktischer Qualität. Doch wenn von Gold die Rede ist, dann geht es immer um viel mehr als nur um Geld und Zinsen. Würde die Goldüberflutung die Erfüllung jahrtausendealter Menschheitsträume bedeuten? Reichtum, Schönheit, Glanz im Überfluss? Oder wäre es das Ende eines magischen Stoffes? Die Schrumpfung auf die banale Existenz eines Elements mit der Ordnungszahl 79? Es geht um einiges. Der Asteroid Eros kratzt an einem der gewaltigsten Kapitel der Kulturgeschichte.
Eines, das mit den frühen Hochkulturen des Nahen Ostens begonnen hat. Als die Menschheit begann, sesshaft zu werden und Siedlungen zu bilden, dachte sie sich auch die Geldwirtschaft aus. Der überkommene Tauschhandel gehörte standardisiert. Und schon in frühen Formen der Geldwirtschaft wurde Gold verwendet, um das Geld als Tauschsymbol entsprechend zu markieren.

Was war so besonders am Gold – was ist bis heute so besonders geblieben? Warum haben Staaten heute immer noch ein Golddepot, warum sichern sie es wie ihr Allerheiligstes? Goldstaub in Quarz verfangen … Ein Grund ist, dass Gold nicht auf der Straße liegt. Gold ist knapp und nur unter Mühen zu gewinnen. Es lagert von Quarzgestein eingeschlossen im Berg oder liegt in kleinsten Bröckchen im Sand am Flussufer oder auf dem Meeresgrund. So oder so ist der Abbau ein langwieriges Unterfangen. Ein anderer Grund ist ästhetischer Natur. Gold glänzt, ist weich und dehnbar. Herrscher, Priester, Handwerker und Künstler ließen sich seit je her von den einmaligen Materialqualitäten des Goldes verführen. Gold, das glänzende Material, eignet sich überdies wie kein anderes dazu, eine Verbindung zwischen Weltlichem und Göttlichem herzustellen. Gold ist Kult, damals wie heute. Das führte mitunter zu drastischen Umgangsweisen mit dem Gold.

Gold und seine Geschichte

Im dritten Jahrtausend vor Christus ließen sich die Königinnen und Könige in der Stadt Ur nach ihrem Tod mitsamt ihrem Goldschmuck sowie Dienern und Höflingen bestatten. Auf dem Weg ins Jenseits sollte es an nichts mangeln, vor allem nicht an der im irdischen Leben erworbenen Pracht. Überhaupt geschah es wohl in der sumerischen Epoche, dass erstmals Gold gefunden und genutzt wurde. Entsprechende Ausgrabungen im Land zwischen Euphrat und Tigris lassen eine solche Datierung zu. Die Ägypter schürften an den Gestaden des Blauen Nils in Nubien nach Gold und wuschen große Mengen aus dem Sand. Im alten Griechenland machte sich hingegen zum ersten Mal Knappheit spürbar. Die mykenische Kultur hatte vorhandene Goldgruben allzu gründlich ausgebeutet. So finden sich Zeugnisse für hochklassige Goldschmiedekunst aus dieser Epoche oft in eher abgelegenen Regionen, etwa bei den Skythen in Südrussland. Auch der barbarische Norden kannte die künstlerischen und kultischen Qualitäten des Goldes. Die Kelten, die ihr Gold im heutigen Irland und östlichen Frankreich schürften, waren ebenso bewandert in der Kunst des Feinziselierens wie die Wikinger. Ein eher kontemplatives Verhältnis zum Gold entwickelte das frühe Christentum. Der Goldgrund in den frühen Christusbildern oder den byzantinischen Mosaiken hob die Darstellungen aus allen irdischen Begrenzungen von Zeit und Raum heraus. Das von Menschen geschaffene Kunstwerk gleicht der göttlichen Schöpfung, ausgeführt von Menschen, die sich nur als Werkzeuge empfinden. Bis heute ist dieses künstlerische Selbstverständnis bei den mönchischen Ikonenmalern Russlands auf bewahrt. Bei ihnen existiert auch die Tradition des Goldgrunds weiter. Kein Wunder, dass es zur Geschichte des Goldes auch die Parallelgeschichte der Versuche gibt, aus minderwertigen Stoffen – oder sogar aus dem Nichts – Gold zu machen. Schon im Altertum galt es als eine lohnende Anstrengung, mit Hilfe der Chemie Wege zu finden, edle Stoffe zu imitieren. Alchemistische Traditionen reichen zurück bis in die griechische Antike und bis zu arabischen Wissenschaftlern. Berthold Schwarz, ein Mönch im 14. Jahrhundert, wollte Gold herstellen , erfand das Schwarzpulver und flog dabei mit seiner Küche in die Luft. Zu einer Geheimwissenschaft mutierte die Alchemie erst in der Neuzeit, als die wissenschaftlich-empirische Chemie die Oberhand gewann. Doch noch ein August Strindberg träumte vor 100 Jahren vom Goldmachen – und versengte sich bei entsprechenden Versuchen den Bart.

Gold ist etwas ganz Besonderes

Und deshalb soll es, wenn es heute etwas ganz Besonderes sein soll, auch Gold sein. Auch wenn der Goldpreis verfällt, dann ist das edle Material doch immer noch gut genug, um als Symbol auch in vermeintlich aufgeklärten Zeiten das Allerbeste und Höchste auszudrücken. Sieger erhalten natürlich die Goldmedaille. Wenn Künstlern in einem Land eine besonders gelungene Epoche gelingt, dann haben sie ein goldenes Zeitalter geschaffen. Und natürlich geht’s uns, wenn’s uns prächtig geht, „goldig“. Tendenz langsam steigend.

Gold und seine Werttendenz

Seit Jahrhunderten hat Gold Anleger fasziniert – wegen seiner Schönheit, Seltenheit und Beständgikeit. Gold ist auch heute noch ein begehrter Anlagewert. Da Gold als einziges Zahlungsmittel nicht unbegrenzt verfügbar ist, werden die Notenbanken in der ganzen Welt auch in Zukunft Gold als letzte Reserve halten. Im Januar 1934 hoben die US-Behörden den Goldpreis von 20,67 US$ auf 35 US$ pro Unze an, um die Kaufkraft des Goldes an das Niveau vor dem Ersten Weltkrieg anzugleichen. Diese Bindung wurde 1970 aufgegeben. Von 1970 bis 1975 stieg der Goldpreis während der sogenannten „Aufholperiode“ von 35 US$ auf 200 US$ pro Unze an; damit wurde die tatsächliche Kaufkraft von Gold durch die Marktkräfte wiederhergestellt.Zunehmender Wohlstand in den Schwellenländern der Welt, insbesondere in China, Indien und Südostasien, hat zu einer wachsenden Nachfrage nach Gold geführt, vor allem in Form von Schmuck, der eine traditionelle Sparanlage darstellt.